Bobby McFerrin / SLIXS and Friends 1st Contact

August 21, 2013

Eine unglaubliche Woche geht zu Ende. Wir sind noch alle verzaubert vom Geist der Musik, dem Spaß am gemeinsamen Musizieren und der Kraft des perfekten Klangs.

 

Vor zwei Monaten erging an uns der Auftrag, für ein Konzert beim Solidarity Of Arts Festival in Gdansk (Polen) einen 18-köpfigen Chor zusammenzustellen. Dieser sollte zusammen mit Bobby McFerrin einen Teil des dreistündigen Programms bestreiten. Die Musik war eine Mischung aus verschiedenen Songs des Meisters plus Circlesong-Improvisationen. Der Höhepunkt: Stücke von den 2010 entstandenen VOCAbuLarieS – wunderbare Kompositionen und Arrangements von Roger Treece. Als Ausgangspunkt wählte er McFerrin-Motive, die er in Bobbys Tonarchiven fand.

Die Zeit war sehr knapp bemessen, umso phantastischer das Ergebnis. Die Befürchtung, dass wir so kurzfristig nicht genug Wunschkollegen zusammen bekommen würden, war unbegründet. Dank des Umstandes, dass sich für dieses besondere Konzert JEDER freimachen wollte und auch konnte, brauchten wir bei der Auswahl der besten Sängerinnen und Sänger keine Kompromisse zu machen.

 

Alle trafen sich an einem sonnigen Sonntag im Schloss Baumersroda. Die Schlossherren Garnet Meiß und Marschel Schöne (nebst ihrer bezaubernden Tochter Capaldi) öffneten weit die Tore und ihre Herzen und bereiteten uns ein äußerst stilvolles Heim für die viertägige Probenphase. Im Ballsaal des Schlosses konnten wir nun beginnen, die Stücke fürs Konzert zusammenzusetzen.

 

Am zweiten Tag gesellte sich Karen Goldfeder aus New York zu uns. Karen ist in der Agentur „Original Artists“ für die Konzertprogramme von Bobby McFerrin zuständig. Da sie auch Sängerin ist, nahmen wir sie gern als zusätzliche Altistin in den Chor auf. Die Zusammenarbeit mit ihr war von Anfang an wunderbar entspannt und äußerst produktiv. Überhaupt wurde recht bald klar, dass wir bei der Zusammenstellung der Stimmen nicht nur in Bezug auf den Zusammenklang ein glückliches Händchen gehabt haben. Auch die Persönlichkeiten der einzelnen Sänger schienen einen perfekt ausgewogenen, harmonischen Gesamtklang zu haben. Alles in allem war es die ideale Voraussetzung für ein gelungenes Projekt. Alle waren höchstmotiviert und einzig fokussiert auf den gemeinsamen Auftritt mit „the voice“.

 

Die Arbeit an den Stücken ging schnell von der Hand, da alle bestens vorbereitet waren. Schon bald machte sich geradezu Euphorie breit ob des wunderbar homogenen, intonatorisch sauberen, enorm kraftvollen Klangs. Es wuchs das Bewusstsein dafür, dass man Teil eines einzigartigen Solistenensembles war und dass dank der Sensibilität jedes Einzelnen keine Einzelgänge das Instrument „Chor“ verstimmten.

 

All dies fand in dem wunderschönen Ambiente des liebevoll sanierten Schlosses statt. Beinahe kitschig wurde es, wenn sich zum Beispiel eine Stimmgruppe am Brunnen traf, um den drei Hauspfauen (ja genau, Pfauen!) etwas vorzusingen. Überhaupt wurde ständig gesungen und geprobt. Und nach der Probe war es nie vorbei. Bei den Jam-Sessions wurde erst einmal klar, welch großartige Solokünstler hier versammelt waren. Die Schlossherren (von uns liebevoll König und Königin genannt wurden) umsorgten und begleiteten uns dezent, aber eindrucksvoll mit Kaminfeuer, Sauna, Gesprächen… Unser Aufenthalt fand seinen krönenden Abschluss bei einem Forellenessen, vom König persönlich zubereitet, an einer festlich geschmückten Tafel mit Weinen aus der Region.

 

All dies im Herzen, machten wir uns am Donnerstag um vier Uhr morgens auf den Weg nach Polen. Von Berlin ging es mit dem Flugzeug nach Gdansk, wo wir durchaus übermüdet gegen Mittag eintrafen. Zur Erholung blieb uns aber keine Zeit. Der eng gestrickte Zeitplan wies uns schon nach zwei Stunden die erste Probe an. Und diese Probe sollte die Feuertaufe werden. Denn es war das erste Mal, dass der gesamte Organisationsstab nebst Management, Technikerteam und natürlich Bobby McFerrin den Chor zu hören bekommen sollte.

 

Die Aufregung unter uns war spürbar (wenn auch zum Glück nicht sichtbar). Besonders Karen war nervös, wie die Reaktion ausfallen würde. Wir wurden darauf vorbereitet, dass es unter Umständen passieren kann, dass Bobby sich unsere Arbeit kommentarlos anhört, uns dankt und geht – denn auch er war deutlich erschöpft vom langen Flug. Jedoch verflogen sofort Sorgen, als Bobby nach dem ersten Takt von „Come To Me“ in den Song einstimmte und ihn sichtbar angetan mit uns zelebrierte. Seine Reaktion danach war eine Freude und Erleichterung für alle: „I’ve never heard this tune so funky. Thank you so much. I was very tired, but now I’m revived “.

 

Und es kam noch besser: Er ließ es sich nicht nehmen, den 23. Psalm selbst anzuleiten. Ein magischer Moment für alle im Saal Anwesenden. Er bedankte sich herzlich und sichtlich bewegt für diesen schönen Moment. Auch bei den anwesenden Zuhörern glänzten vereinzelt Tränen der Rührung. Nachdem wir noch einige Circlesong-Improvisationen sowie „Wailers“ und „The Garden“ aus den VOCabuLarieS gemeinsam intoniert hatten, zeigten sich alle derart begeistert, dass spontan eine Entscheidung gefällt wurde: Das erste Mal in der Geschichte der VOCabuLarieS sollten die Stücke ohne die ansonsten unumgänglichen „backup tracks“ aufgeführt werden. Nach diesem vielversprechenden Start blieb uns noch ein wenig Zeit, am Abend die wunderschöne Altstadt von Gdansk zu erkunden.

Am Freitag standen Soundcheck und Generalprobe auf dem Plan. Alles verlief prächtig, dank der beeindruckenden Kompetenz der Technikercrew um Daniel F. Vicari, der schon seit vielen Jahren als Tontechniker für Mc Ferrin tätig ist.

 

Jetzt warteten alle nur noch auf den großen Auftritt. Das Open-Air-Konzert begann um 21:00 Uhr im Zent